Mittwoch, 16. August 2017

Leben im Haus, leben im Wohnmobil

Fünf Monate im Haus

Im Februar sind wir gelandet. Kalt und vor allem nass das Frühjahr in der Heimat. Alles riecht erdig und frisch. Der Sauerampfer wächst langsam und wir können nach vierzehn Tagen Wildkräuter pflücken. Das Leben wird wieder schnell so sehr routinemäßig. Frühstück, rausgehen, aber wohin im 500 Seelen Kaff? Mittagsschlaf organisieren, aufräumen, aufräumen, staubsaugen, mal zu Opa oder eine Oma kommt…abends in der Kuschelecke liegen, unser Komfortbereich. Auch angenehm: Immer waschen können. Mal mit dem Bus in die Stadt, mal das Auto leihen und etwas anderes unternehmen und dann das ganze von vorn.Wir sehnen uns nach Gleichgesinnten, die Kinder nach  gleichgesinnten Kindern.
Endlich kommt unser drittes Kind daheim zur Welt. In Ruhe und sehr schnell bahnt es sich seinen Weg in unsere Mitte. Dafür gerät, wie erwartet, unser neues „Mittelkind“ aus seiner Mitte und kürt den Papa zur Mama auf Zeit. Die Neuordnung und das Gehudel trüben die Freude am neuen Zustand in manchen Momenten. Ich habe am Morgen nach der Geburt einen Hörsturz, genau sieben Wochen später noch einen. Simon und mir stellen sich Themen, sie drängen sich immer mehr zwischen uns und wollen betrachtet werden. Genausosehr wollen die Kinder betrachtet werden und wir arbeiten uns etwas in die unerzogen-Thematik ein um uns alle zu entlasten und Spannung aus dem Alltag zu nehmen. Alle Bedürfnisse aller sind gleichwertig. 

                                                   Wir beide sind jetzt MAMA.
                                                   Möhre macht Simon zur Nr.1

Wir Eltern haben gut zu tun. Auf Außenstehende wirkt es vielleicht so als machten wir es nur den Kindern recht oder als täten wir nichts außer nur die Kinder zufriedenzustellen. Aber die innere Arbeit ist eben nicht allen Außenstehenden begreiflich. Wir arbeiten an uns, an der Beziehung, am Umgang mit den Kinder und immer wieder und zum tausensdsten Mal an unseren „Altlasten“, an unserer Vergangenheit die uns geprägt hat, und uns jetzt oft lähmt oder in alten Mustern handeln läßt. Und von diesen alten Mustern die oft in eine negative Spirale ausufern, möchten wir uns befreien. Die Kinder sind die Lehrmeister dafür und die Anzeiger für Themen und Stimmungen. Sie spiegeln uns unser eigenes Verhalten und weisen uns unermüdlich darauf hin was verbesserungswürdig ist im Umgang miteinander.

Aufbruch

Geistig bewegen bringt nicht allein den Erfolg, auch der Körper will sich regen und steuert das seinige zum Erfolg, zur Veränderung bei. Deswegen zieht es uns jetzt nach der langen (Zwangs-?)Pause nach draußen. Schon nach zwei Lebenswochen von A fällt der Entschluss zum Reisestart. Zumindest ausprobieren wollen wir, ob es uns im geliebten Mobil nicht einfacher fällt zu wachsen. Und das tut es. Mit lieben, sehr lieben Bekannten sind wir fortan die meiste Zeit unterwegs und die Kinder gehen in schöne Verbindung. Wir lernen viel von den Mitreisenden, noch andere stoßen dazu, und wir erleben abwechslungsreiche aber auch geruhsame Tage. Wir fühlen uns von uns selbst und mit den anderen gut aufgehoben.



Die Themen vergehen trotzdem nicht, das liegt in der Natur ihrer Sache. Wie können wir Nähe teilen, wann gibt es Zeit für uns, woher das (gefühlte) Übermaß an Geduld nehmen, wie das innere Kind nicht totschlagen oder unterdrücken aber auch nicht in seiner Brachialgewalt herauslassen? All die Anstrengungen und gefühlten Entbehrungen (sind es welche?) lösen immergleiche altbekannte Mechanismen und Verhaltensmuster aus. Ein- und ausgeübt in frühester Kindheit und erlebt bei den eigenen Eltern. Die Furchen reichen bis ins Unbewußte und warten darauf, eingeebnet zu werden. Woher dafür die Kraft nehmen wenn die Kinder alle Energie zu vereinnahmen scheinen?

Leben unterwegs auf sechs Rädern

Derweil ist das Leben befreiter, nur das Handspülen nervt uns etwas. Aber sonst keine Räum- und Haushaltsaufgaben. Wir ernähren uns gut und das tut seinen Teil, sich noch leichter und freier zu fühlen. Lebendige Nahrung.
Das Baby kommt langsam in der Welt an und die vertraute Umgebung erkennt es an dem Blick zur warmen Holzdecke im Mobil. Weiße Decken und Wände machen ihm dagegen Angst. Das Abhalten klappt von Anfang an gut und wir haben das Töpfchen als ständigen Begleiter dabei. Auch stoffwickeln fällt leichter als gedacht. Vollgepieselte Windeln trocknen schnell und lassen sich unausgewaschen auch noch ein, zweimal verwenden ohne daß sie stinken. Stehen wir an einem Bach oder See ist das Auswaschen sowieso schnell getan. Gibt es Waschmaschine und Trockner auf einem Stellplatz,  ist alles entspannt und ich brauche kaum auf die Wäsche zu achten. Zur Sicherheit haben wir ein paar Öko-Wegwerfwindeln dabei, brauchen aber nicht viele.

                                      Stoffwindeln auswaschen und aufhängen am Skatepark

                                           Einmal benutzt, geht auch noch ein zweites Mal.

Im Auto hat sich ein gewisser Alltag eingebürgert, der allen gut tut. Möhre kann schon morgens früh raus ins Freie und braucht seine Energie nicht einzudämmen. Quetscheline ist nun soweit, frei aus sich herauszugehen und von der einstigen Zurückhaltung ist nichts oder kaum mehr etwas zu bemerken. Gleich geht sie auf die anderen Kinder zu und schließt sich an. Trotzdem ist sie noch die meditative Beobachterin. Sie zieht sich oft ihren kleinen roten Campingstuhl an die beste Stelle um die benachbarten Familien zu beobachten. Wäsche falten, Essen zubereiten…oftmals entspannt sie sie sich beim (plakativen) Zusehen und saugt alles Wahrgenommene in sich auf. Zu mir sucht sie zur Zeit öfter den Kontakt durch Vorlesen oder Kuscheln. Wegen unserem  Achtwochenbaby ist meine Zeit für das einzelne Kind etwas eingeschränkt. Aber durch Stillen und Tragen sind die notwendigen Geist- und Körperkontakte trotzdem möglich. Ich habe dann für die anderen beide Hände frei.



Wir zwei und jeder für sich?

Simon und ich haben demnach Mühe uns zu organisieren und außer kurzen Küssen und Umarmungen am Tag bleibt uns nur die Zeit am Abend und in der Nacht. Zu der wir meistens selbst müde und ausgelaugt sind, weil die Tage voll und schön, oft anstrengend sind. Aber wenn wir wollen ist der Kontakt möglich. Die großen Kinder schlafen hinten im Stockbett (3 Schlafplätze) und ich mit A vorne im großen Alkoven. Und auf den ausgeklappten Sitzbänken ist auch noch Platz wenn nicht der Tisch an Schlechtwetterperioden aufgebaut ist.
Die Kinder spielen lange und intensiv, sodaß meist spät der Bettmarsch ansteht. Jetzt zur Sommerzeit gehen sie um neun ins Bett wenn wir mit andern Familien unterwegs sind. Je nachdem schlafen die Kinder also um neun oder halb zehn. Und dann wird oft A nochmal aktiv und schläft nicht gleich ein. Wir haben uns viel Familienzeit gewünscht und die haben wir jetzt! Jede Phase hat ihre Herausforderungen und stellt Aufgaben an uns Eltern. Eine davon ist auch, sich als Paar noch genug Zeit einzuräumen. Je nach Abschnitt bedarf es darum immer wieder ein Ändern der Gewohnheiten und alle stimmen sich neu aufeinander ab.

                                                     Janis lacht und wacht über uns...

Gerade stehe ich mit A in der Trage im Schwimmbad am Kioskstehtisch und tippe hier. Simon sitzt mit den Kindern auf der Decke und schneidet Obst auf. Früher war es oft schwer sich zu etwas zu motivieren wenn ich viele Möglichkeiten hatte und alles offen stand. Nun habe ich nur eine Möglichkeit JETZT. Und die kann ich dann auch ergreifen und etwas  umsetzen was ansteht oder worauf ich Lust habe. Trotz der anscheinend wenigen Zeit gibt es so Produktivität.
Wir lassen uns treiben und planen sehr wenig. Wir genießen vor allem die sonnigen Tage (es gab viel Regen und Kälte) weil dann das Leben einfacher ist. Wir können aktiv sein und auch unser Baby fühlt sich wohler. Es braucht kaum eine Windel zu tragen und wenig Kleidung. So genießt A die sonnigen Tage auf seine Weise.
Spielsachen haben wir kaum dabei und die wenigen die es gibt wurden bisher kaum angerührt. Am meisten werden Laufrad und Fahrrad genutzt und Bücher. Sandspielzeug, Wasserfarben und Puppe liegen meistens im Schrank. Wir sind auf jeden Fall ein wenig mehr im Hier und Jetzt der Kinder angekommen, auch wir leben spontaner und unmittelbarer.

Bürokratie, Post, gelber Sack, Stromrechnung…vieles fällt weg und wird zweitrangig. Wenn wir uns nicht nach altem Muster selbst geiseln und alte Glaubenssätze fallen lassen, sind wir glücklich.


Freitag, 28. April 2017

Von den Eltern emanzipieren?

Jeder hat Eltern. Wie kommt ihr mit ihnen aus?
Mich stellt die Beziehung immer und immer wieder vor (meist seelische) Probleme. Jetzt, da ich selbst zwei, bald drei Kinder habe, hat sich natürlich die Kontakthäufigkeit seit einigen Jahren wieder intensiviert. Manchmal freut mich das, aber meist strengt es mich enorm an.
Wieso das?

Jede Seite hat Erwartungen. 
Ich erwarte uneingeschränkt angenommen zu werden. Ich erwarte auch ein gewisses Verständnis für unser Leben, unseren Lebensstil und wie unsere Kinder darin aufgehen und mitwachsen.
Meine Eltern haben andere Erwartungen. Meine Mutter ist der Kontakt zu ihren Enkeln wichtig. Den bekommt sie ja auch. Und sie stellt sich wohl vor, daß unser Familienleben in zwar alternativen, (Hausgeburten, kindergartenfrei, vegan essen usw.) aber doch geordnet vorhersehbaren Bahnen abläuft.
Mein Vater behauptet keinerlei Erwartungen zu haben und meint, „dass es ihm ganz egal ist, ob er mit seinen Enkeln in Kontakt steht oder nicht“. Er schwört auf seine emotionale Gleichgültigkeit, freut sich aber immer ungemein mit den Kindern Zeit zu verbringen. So scheint es jedenfalls von außen.



Kindergarten, Schule, Vollzeitarbeit, Teilzeitarbeit, gemeinsam den Feierabend genießen, am Häuschen werkeln, Urlaube, Familienfeste, und wieder von vorne... So könnte unser Leben die nächsten 30 Jahre aussehen. Bis auf die übliche Bürokratie und vielleicht ein paar  Unfälle sorgenfrei, der Traum einer jeden Kleinfamilie.

Nun sind wir aber nicht so.
Ab und an gefällt uns auch dieses Leben, ja, es ist geordnet, es ist scheinbar abgesichert (Geld, Versicherungen, Umgebung, Struktur) aber--- es ist immer gleich, es ist vorgezeichnet, es läßt wenig, sehr wenig, Zeit für das familiäre Miteinander. Uns als Paar reicht die kurze Feierabendzeit in der wir beide müde sind, nicht aus. Den Kindern reicht die Feierabendzeit in der sie ebenfalls müde sind, um ihren Vater zu ER-leben, nicht aus. Darin sind wir auf Dauer unglücklich. Ich und mein Mann brauchen mehr Lebenszeit zusammen. Die Kinder stören uns dabei nicht. Wichtig ist, daß wir auch viel Zeit mit ihnen zusammen verbringen können. Uns reicht die vielbeschworene Qualität nicht aus, wir brauchen auch vor allem die Quantität.

                                                   Die Stahlkappenstiefel haben Pause

Langsam begreifen nun meine Eltern wohin der Kahn schippert, seit Simon nicht mehr arbeitet und wir vier Monate in Asien waren. Und sie sehen die Barke natürlich gern als vom Kentern gefährdet.
Ich fühle mich von ihnen bevormundet. Sie wollen alles, klar, was bleibt ihnen auch übrig, so der O-Ton akzeptieren, was wir tun. Doch sie wissen noch nicht einmal was das Wort bedeutet. Denn wohlwollend und begrüßend stimmen sie unseren Lebenskonzepten nicht zu. Nein, sie tolerieren sie vielleicht. Und sie machen mir, vielleicht unbewußt, Vorschriften und bewerten mein Verhalten, meine Ansichten, Gefühle und meinen Umgang mit meinen Kindern. Aus dem bunten Blumenstrauß der gemachten Annahmen und Vorhaltungen kann ich gerne an dieser Stelle ein paar Beispiele anbringen. Es werden zwar nicht alle Vorwürfe von jedem Elternteil gleichermaßen vertreten, aber dies soll wie gesagt ein Ausschnitt sein. 

Ein Auschnitt aus deren Ängsten :
-wir wissen ja gar nicht was wir tun (in Elternaugen bleibt man wohl ewig Kind?!)
-wir verbauen den Kindern Chancen
-Kinder wachsen als Sonderlinge auf (angeblich keine Sozialkontakte, da kein Kindergartenbesuch)
-wir wollen sie schützen, schonen, dabei ist die Welt doch so hart und schlecht, davor kann man nicht schützen (und sollte es auch nicht)
-wir erdrücken die Kinder mit Liebe (und Behütung)
-woher Zeit und Geld dafür nehmen alternativ, mit mehr Freizeit, zu leben?
-von was wollen wir denn überhaupt leben?
-es tut ihnen für die Kinder leid (daß sie nicht im System eingegliedert sind)
-wir opfern uns für die Kinder auf, wir haben keine Zeit mehr für uns als Paar
-SO (also so schön, einfach, und frei) ist das Leben nicht, wir machen uns da nur etwas vor
-wir leben in einer Traumwelt

Selbstfindung und Schubladen
Vielleicht meine Mutter, aber sicher mein Vater nicht, hat sich zumindest ansatzweise mit Selbstfindung beschäftigt. Sie haben sich nicht der eigenen Vergangenheit gestellt und versucht die vergangenen Verletzungen, Erlebnisse und Prägungen zu verstehen, sie in ihr jetziges Leben zu integrieren. Diese Generation hantiert immer noch am liebsten mit Schubladen. Darin ist das Unliebsame, das Furchtbare gelagert. Ja, sie erinnern sich daran, berichten wohl auch ab und an davon. Von ihrer Kindheit. Aber letztendlich verbleibt es unverarbeitet in der Schublade. Wozu auch? Es ist ja vergangen. Alt. Unwichtig geworden. Hat keine Auswirkung mehr, läßt sich nicht mehr ändern. Doch das all diese Erlebnisse uns immer ändern und stets begleiten, daß ist ihnen weniger bewußt. Mit ihren unterdrückten Belastungen aus ihrer Vergangenheit beeinflussen sie auch ihr Umfeld weiter. Denn die Erlebnisse haben ihre Ansichten geprägt und hindern sie daran offen und frei, befreit zu denken. Sie wirken so auch auf uns ein. Und das ist dann meist verletzend, bevormundend, unüberlegt besserwisserisch und - schmerzhaft.

Dieser Abschnitt soll nicht dazu dienen, daß ich mich loben will, alle meine dunklen Schubladen aufgezogen zu haben. Es soll unter anderem den Unterschied zeigen, wie mit Erlebnissen und Emotionen unterschiedlich in den Generationen umgegangen wird. Für mich war und ist Reflektion und Besprechen von Gefühlen immer wichtig. Auch das hat nicht wirklich guten Anklang in der Familie gefunden. Denn  (schmerzhafte) Auseinandersetzung hat unsere Elterngeneration nicht gelernt.

Mein Leben war nicht immer schön.
Doch jetzt ist es an der Zeit für mich und meine Familie, unser Leben schön zu MACHEN. Und das geht nur dann, wenn man auch daran glaubt, daß es schön sein kann und wenn man ins aktive Tun kommt. Strukturen ändert oder aufgibt, die nicht guttun. Auch wenn dies Strukturen für unsere Eltern unabänderbar und unantastbar scheinen. Genau wie unsere Eltern das wollten, so wollen auch wir unser Leben leben. Ohne es uns von Außenstehenden schlecht reden zu lassen.

Eltern, warum könnt ihr mich nicht so annehmen wie ich bin?

Donnerstag, 13. April 2017

Freie eigenverantwortete Schwangerschaft

Heute in der 31. Schwangerschaftswoche habe ich zwei Vorsorgeuntersuchungen durch die Hebamme im Mutterpaß stehen. Blutdruck messen wir, Herztöne werden gehört, Babys Lage tasten und den Fundusstand. Mein Gewicht kontrolliere ich wenn ich Lust dazu habe. Das reicht. Keine Bluttests oder ähnliches.



2017



2012 noch beim Arzt mit monatlichem Ultraschall 


Warum kein Ultraschall? Wieso keine weiteren Kontrollen?
Nein, ich will es nicht genauer wissen! Nicht genauer als es mir mein Körpergefühl sagt. Ich bin agil, mache weiterhin Sport, schwitze mehrmals die Woche auf dem Heimtrainer. Ich ernähre mich vegan, frisch, mit vielen Wildkräutern. Ich fühle mich gut versorgt, nicht schlapp, nicht müde. Ich fühle mich und bin gesund.Das spürt man auch ohne Kontrollen.




Und das Baby? Will ich nicht wissen ob mit dem Kind alles in Ordnung ist?

Es entwickelt sich, wächst und bewegt sich vor allem sehr viel und kräftig. Es reagiert auf Töne und Berührungen von außen. Auch hier spüre ich gesundes und aktives Leben in mir. Ich brauche keine Rückversicherung von einer außenstehenden Person über den Zustand meines Babys. Zumal wenn eine Erkrankung vorliegen sollte die Einflussmöglichkeiten vor der Geburt sowieso gering bis unmöglich sind.
Sollten dann medizinische Handlungen nötig sein, gibt es keinen Grund diese auszuschlagen. Jedwede Kontrolle und noch so detaillierter Ultraschall sind keine Garantie für ein gesundes Kind. So bleiben doch auch öfter z.B. Herzfehler unentdeckt trotzdem regulär geschallt wurde. Ich möchte im Vorfeld darauf (also auf mich allein = Eigenverantwortung) vertrauen können, mein Kind in Ruhe und Frieden zu gebären.

Aber woher kommt dann die Sicherheit die ich in diesem Bereich habe?
Sie kommt aus Informationen über alle Themen die Geburt betreffen und aus zwei wunderbaren selbstbestimmten Geburten. Geburten, die ich mir erarbeitet habe, die für mich nach Sichtung der Krankenhäuser und

allen Informationsmaterials als einzig humane Art zu gebären lebenswichtig geworden sind. Ein Trauma an Leib und Seele das vom Krankenhaus und Ärzten gemacht würde, wäre für mich nicht verkraftbar gewesen. Die Sicherheit erwächst auch aus dem Wissen heraus, dass die meisten Komplikationen was Geburt, Vorsorge und auch Stillen betreffen medizinisch vom Krankenhaus selbst generiert werden. Alle Vorgänge dort sind normiert. Wer im Dschungel dieser Normen Werte unter- oder überschreitet - und das passiert zwangsläufig in irgendeinem der vielen getesteten Bereichen an Frau und Kind - der gerät leicht unter noch genauere und engmaschigere Beobachtung. Die Folge: Man bekommt Angst. Angst, dass ein Parameter auffällig ist.

Wie soll man beurteilen was ein „schlechter Wert“ bedeutet? Was sind die Folgen?
Man selbst kann, gerade beim ersten Kind, meist nicht beurteilen ob ein Wert wirklich schlecht ist und was das bedeuten kann. Ein über- oder unterschrittener Wert mag auf eine Auffälligkeit oder gar Behinderung hindeuten, er kann sich aber auch als völlig unbedenklich herausstellen. Aufgabe der Ärzte ist es aber, alles außerhalb der "Norm" liegende aufzuspüren. Die Spirale von Messerei, Urteil, Normierung, Angst und Bedenken setzt sich automatisch fest. Auf diese Messungen verzichte ich. An die Stelle dieser von außen kommenden (vermeintlichen) Absicherung tritt der volle Eintritt in das Körpergefühl. Mein Hauptsicherheits- oder besser gesagt Hauptwohlfühlfaktor entspringt aus mir selbst.

Wie entsteht Sicherheit aus dem eigenen Empfinden heraus?

Eine andere aber vergleichbare Frage könnte lauten: Woher wissen, dass man gesund ist? Man hat Kraft, fühlt sich wohl, nichts tut weh, der Kopf ist frei. Das könnte eine Beschreibung für persönliches Wohlbefinden und körperliche Gesundheit sein. Wieso daran zweifeln gesund zu sein, wenn doch alle Körpersignale dafür sprechen.
Oder wachst du jeden Morgen auf in der Befürchtung krank zu sein, nur weil Blutdruck, Gewicht, Blutzucker und Eisenwert nicht gemessen wurden?
Dies ist meine zweite (von drei) Schwangerschaften ohne Schwangerschaftstest, Bluttest, ärztliche Betreuung, ohne Ultraschall.



2012 - die Ärztin macht bei jedem Termin einen Ultraschall...
Sie findet immer etwas auffälliges...zu wenig Fruchtwasser, 
die Niere des Babys verändert, mein Gebärmutterhals zu früh verkürzt....



2015 und 2017 - sorgenfrei schwanger!


Ich tauche voll ins Gefühl ein und spüre natürlich auch zum Kind und dessen Bewegungen hin. Wie reagiert es, kommuniziert es mit uns, allen Familienmitgliedern. Mittlerweile hat sich mein Vorstellungsgefühl für das Baby qualitativ stark verändert. Es entsteht immer mehr ein dreidimensionales Bild vom Baby vor meinem geistigen Auge für mich.
Ich „weiß“ wie groß es ist, fühle auch die Abmessungen und Kindslage deutlicher in meinem Bauch. So als wäre ich selbst der personifizierte Ultraschall. Das mag komisch klingen, aber es stellt sich für mich so dar. Mein Parameter ist das Gefühl und die geistig-körperliche Verbindung zum Kind. Auch die Geschwister und der Vater haben eine solche jeweils individuelle Bindung. Das Baby ist längst selbstverständlich integriertes Familienmitglied. Es wird miteinbezogen und gespürt, angesprochen und berührt. Kommuniziert es, ist es wach? Schläft es, ist es munter, aktiv oder angespannt?
Eine eigenverantwortete und somit freie, von potentieller Bedenkenträgerei gelöste Schwangerschaft gibt Sicherheit. Das vermeintliche große Risiko der Nichtkontrolle durch Institutionen ist kalkulierbar solange die Mutter bei Unwohlsein und Zweifel am eigenen oder kindlichen Zustand die medizinische Versorgung, die eigentlich nur für Notfälle und wirkliche Ausnahmesituationen gedacht sein sollte, in Anspruch nimmt. Geburt ist keine Gefahr für Leib und Leben. Dies ist ein gemachter Mythos des sogenannten „Gesundheitssystemes“. Ich wünsche allen Frauen die sich eine freie Schwangerschaft und Geburt wünschen die nötige Kraft um sich dieses Recht zurückzuerobern.

Montag, 6. März 2017

Back to Base Etappe 2

Und dann sind wir an den Flughafen gekarrt worden. Wir hatten noch ein Futterpaket vom Hotel als Frühstücksersatz mitbekommen. Bis auf drei kleine O-Saft-Päckchen war davon allerdings nichts wirklich genießbar und vegan schon mal gar nicht. Dann mußten wir durch die Personenkontrolle. Im Gegensatz zu Bali legt man in Bangkok wert auf die Einhaltung der internationalen Sicherheitsstandards. Zumindest theoretisch. Äh irgendwie. Also wurden uns erstmal alle Wasserflaschen, Dosen und Saftpäckchen abgenommen. Man dürfe nur soundsoviel Milliliter mit in den Flughafen nehmen. Dann hat sich eine andere Kontrolleurin wohl in Anbetracht der Kinder umentschieden und uns zwei, ach naja, drei Trinkpäckchen und ok, noch eine 1,5l Wasserflasche zurückgegeben. Wir waren dann froh überhaupt Getränke mitnehmen zu können und wurden weiter zum Durchleuchten/Abtasten gescheucht. Quetsche wurde dann unsanft weil sie sich weigerte (Angst) durch den Scanner zu laufen (ich tats ja auch nicht da schwanger) abgetastet und geriet durch den plötzlichen unerwarteten körperlichen Übergriff in Totalpanik. Ich stürze als ich das zu spät sehe (hatte gerade Möhre beaufsichtigt) zu ihr und entreiße dem uneinfühlsamen Kontrolleur mein Kind. Der will weitertasten, aber ich haue dann wutentbrannt ab. Irgendwann reichts mir auch. Nicht das erste mal in Thailand....daß es mir reicht. Letztendlich sind wir durch die Kontrollen durch und trinken, es ist ja noch ganz früh morgens, erstmal einen Kaffee. Wir essen ein Brötchen und schendern durch den Flughafen. Dort  hatten wir uns dann noch die Aufgabe gestellt unseren rostigen lahmen Buggy der eigentlich nur als Koffer- und Rucksacktransporter gedient hatte loszuwerden. Den Buggy lassen wir vor einer etwas versteckten Toilette stehen und hauen schnell ab. Wir kaufen für unser letzten Bahts zwei Kinderhosen und eine Haarspange für Quetsche. Möhre kriegt einen kleinen Laster um im Flugzeug beschäftigt zu sein. 16 Stunden Flug stehen uns bevor. Exklusive Umsteigzeit. Im A380 haben wir schöne Plätze und genügend Platz. Nichtsdestotrotz schläft Möhre trotz großer Müdigkeit nur kurz. da Stillen zur Beruhigung wegfällt wird es ein unruhiger Flug auf dem Simon unseren Sohn lange im Manduca trägt. Nochdazu fiebert Möhre etwas, er regt sich auf und will einfach nur raus aus dem blöden Flugzeug.
Wie schon erahnt verpassen wir dann in Dubai den Anschlußflug denn wir starten mit 60 Minuten Verspätung. Viele Fluggäste sind außer sich, wir bleiben ruhig und sind eigentlich wegen Moritz recht froh nicht standepede in den nächsten Flieger zu müssen. Weil wir cool bleiben und Kinder haben hilft uns in dem ganzen Tohuwabohu zum Glück eine Stewardess weiter und bucht uns flott auf den nächsten Flieger 10 Stunden später um. Wir bekommen einen Hotelvoucher und verlassen nach Passkontrolle mit Foto und Stempel den Flughafen. Ein Kleinbus fährt uns durchs heiße Dubai zum Hotel. Dort genießen wir die Salatbar und das Essen, nehmen in der Wanne ein Bad und genießen die Aussicht auf den wahnsinnig großen grünen "Innenhof" mit Pool und Restaurants.




Wir ruhen, essen zu abend und schlafen dann wieder ein paar Stündchen. Schlüpfen dann wieder in die alten Klamotten, Wechselzeug haben wir ja nicht, und werden nachts um 1 wieder zum Flughafen gefahren. Mittlerweile sind wir schon mittendrin im Jetlag, die Kinder schlafen immer 2-3 Stunden, wachen wieder, keiner weiß mehr ob Tag oder Nacht ist. und dann wieder rein in den Flieger. Daß wir einen Tag später als geplant ankommen können wir nicht mitteilen. In Dubai funktioniert unser Handy nicht, Internet gibt es im Hotel nicht for free.
Morgens in Frankfurt rufen wir als erstes zuhause an und melden, daß wir noch am Leben sind. Im grauen, regnerischen Wetter werden wir abgeholt und heimgefahren. Dort wartet der Kamin und ein großes Schwarzbrot und unser Matratzenlager auf uns.
Der Jetlag bleibt uns noch ein paar Tage erhalten und nachts um drei wird es für uns Zeit aufzustehen. Möhre wach...Puh....



Samstag, 11. Februar 2017

Back to Base Etappe 1

Die Reise war lang. Mit Taxi, Fähre, Bus, Zug nach Bangkok. Die Fährfahrt war sonnig, Koh Phangan präsentiert sich zum Abschied von seiner schönsten Seite. Erst sitzen wir drin,


dann oben auf Deck, Quetsche schläft ein und Möhre ist schon seit langem im Manduca eingeschlafen. Vor dem Ablegen haben wir uns noch im Cafe am Hafen gestärkt. Zeitlich ging sich wieder alles gerade aus, obwohl wir früh dran waren.
Der Bus fährt uns geschlagene zwei Stunden bis zum Bahnhof in Surat Thani.





Und zu unserer Überraschung sind die Thais "an Land" wie ausgewechselt. Keine leeren Blicke und ungehaltenen Mienen. Nein, sie sind freundlich und schäkern mit den Kindern. Wir sind erleichtert, daß sich unser Eindruck von Koh Phangan hier nicht bestätigt und steigen nach einer sehr scharfen Mahlzeit um 18.30 in den Nachtzug Richtung Bangkok ein.


Diesmal dauert es bis nach 20 Uhr bis uns der Zugmann das Bett in Sekundenschnelle richtet. Wir sind alle müde und schlafen schnell ein.
Morgens wachen wir auf und fahren durchs erwachende Bangkok. Die "Slums", Blechhütten eng an eng ziehen an uns vorbei. Auch hier gibt es die Geldeinwurf-Waschmaschinen und die Kinder werden für die Schule aufs Moped verladen...
Wir steigen mit unserem minimal auf 17 kg geschrumpften Gepäck aus und trinken erstmal einen Kaffee.


Noch haben wir den Buggy dabei, den lassen wir aber in Thailand zurück...das meiste unserer Klamotten haben wir nach den 4 Monaten (Hand)Wäsche weggeworfen.
Mit der Metro, wir haben ja Zeit und keine Lust mehr auf Taxiverhandlungsdebatten, tuckern wir bequem an den Flughafen. Am Flughafenhotel soll die Übernachtung 100 Öre kosten, wir wollten uns das für zwei Nächte leisten um nicht mehr hin- und herfahren zu müssen. Jedoch wollen die an der Rezeption vor Ort 230 Öre für die Nacht, wohlgemerkt aber ohne Frühstück...joah....Plan B muß also her. Quetsche ist überzeugt, daß wir gleich was schönes finden. Mit knirschenden Zähnen also ins Taxi (da wollten wir doch nimmer rein!) und zu einem Hotel daß auf einer Landkarte am Flughafen ausgezeichnet war. Wir haben Glück und bekommen für die zwei restlichen Nächte ein großes Zimmer mit noch größeren Betten. Juhu! Wir bemerken, daß es auch noch einen Pool gibt und sind folglich rundum zufrieden.



Letztes mal Thaifood (und Pommes) ums Hotel rum gibts nur einen kleinen Obst-Gemüse-Markt , man muß im Hotel essen, es schmeckt aber gut und ist nicht allzuteuer.

Wir genießen noch zwei supersonnige Tage und werden morgens mit dem Hoteltaxi (im Preis 43 Eur/Nacht inbegriffen) zum Flughafen gekarrt. Vorher gibt es noch ein Tohuwabohu, weil sie die vor Möhre gesicherten Gläser und leeren Pfandflaschen nicht finden als standepede unser Zimmer bei Abreise gereinigt (kontrolliert?) wird. Die Gläser stehen hoch oben im Schrank, der Asiate sieht so weit hoch nicht...man droht uns schon mit Ersatzzahlungen für ein paar 0815 Trinkgläser...es nervt. man fühlt sich gleich wieder im "You pay!!!"-Touristenabzockmodus...weg hier!

Samstag, 4. Februar 2017

Warum vegan?

Warum denn das, wieso kommt man darauf und was kann man denn noch essen?
Ich hatte schon lange (Jahre) die Vorstellung vegan zu essen. Zumindest mal vegetarisch. Geklappt hat letzteres nie. Videos und Seiten habe ich monatelang im Internet gewälzt, der Zeitpunkt um es wirklich auszuprobieren kam einfach nicht.
Von Hausmannskost hatte ich längst die Schnauze voll. Die Kombi aus Fett, Salz und oft auch noch Zucker macht süchtig und „schmeckt“ dann letztendlich (Konditionierung) doch immer gut, wenn man den Braten mit Klößen ißt. Auch wenn man eigentlich gar keinen Appetit darauf hatte.
So ging das eine Weile, mal mehr mal weniger Fleisch, aber immer viel Käse und Joghurt, auch Milch.
Irgendwann kam der Punkt an dem ich eines Tages einfach wußte: So, jetzt ist Schluß. Das Essen lag mir immer tagelang im Magen, es dauerte ewig bis ich es verdaut hatte. Ich fühlte mich schwer und belastet, mit Sport schaffte ich es immer dieses Gefühl auszugleichen, nur die Verdauung blieb trotzdem schlecht. Egal ob viel Obst und Gemüse und wenig Fleisch auf dem Speiseplan waren.

Dann folgte mein erster veganer Monat mit den beiden Kindern zu Hause. Ich aß viel zu viel Brot und Aufstrich schnell nebenher, Zeit zum Essen hat man ja nicht wirklich. Infolgedessen gleich ein Eisenmangel. Der zeigte mir, daß ich mehr Grün essen muß um gesund zu sein. Also habe ich mich in die Wildkräutermaterie eingelesen und viel mehr roh und grün gegessen. Vorzugsweise von der Wiese. Brennesseln, Giersch, Klee, Löwenzahn, Frauenmantel, Sauerampfer. Das ganze entweder im Salat oder in Fruchtsäfte einpüriert. Damit geht es mir sehr gut. Der Eisenmangel verschwand schnell.



Innerhalb kurzer Zeit fühlte ich mich so wie ausgewechselt. Die Verdauung wurde fantastisch und das Körpergefühl wechselte von beschwert zu leicht befreit. Das Essen macht weniger müde, ich habe mehr Kraft. Wieso das? Weil der Körper viel weniger Energie zum Verdauen braucht. Fleisch- und Tierprodukte benötigen am längsten und meisten Energie um verdaut zu werden. Davon war mein Körper dann entlastet. Das merkte ich fast umgehend. Außerdem waren die Blutzuckertiefs verschwunden, die ich vorher fast täglich hatte. Der Zucker raste nicht mehr so tief in den Keller, ich hatte nicht mehr Zeitdruck schnell etwas zu essen, sondern konnte auch über mehrere Stunden auskommen. War dann der Punkt erreicht, daß ich Hunger bekam, war mein Blutzucker immer noch recht stabil und nicht bereits im tiefsten Keller wie sonst. Das war extrem befreiend und entlastend und schlug sich so auch nicht mehr auf die Laune.

Natürlich dauert es eine Weile, bis man für alte Gewohnheiten Ersatz und neue Gerichte für sich entdeckt hat. Bei dem guten Bioangebot hier ist das aber überhaupt kein Problem. Soja- oder Kokosjoghurt gibt es überall. Hafermilch schmeckt vorzüglich und Milch fehlt überhaupt nicht. Milch verschleimt und wir sehen jetzt oft, daß die Kinder sie zum Beispiel gern als Milchschaum beim Opa trinken, aber nicht so gut vertragen. Hals kratzt dann, oft gibt es Husten. Ich entdecke neue Produkte, noch mehr Gemüse und Obst esse ich. An Auswahlmangel scheitert es nicht. Auch auswärts lassen sich in fast allen Fällen zumindest passable vegane Möglichkeiten finden. Ansonsten bringe ich eben Essen mit, wenn nicht sicher ist, ob irgendwo etwas veganes zu finden ist.


Vegan ist keine Entbehrung, man lernt mehr über den Körper und seine Bedürfnisse sowie Funktionen. Ich sehne mich nicht nach der alten Normalkost zurück.